Wie stehen die langfristigen Erfolgschancen von Zweit- und Drittligisten?

Was haben diese Fußballvereine gemeinsam: TSV 1860 München, Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern, Karlsruher SC, MSV Duisburg und Preußen Münster. Genau, sie alle gehören zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga und befinden sich seit teils einem Jahrzehnt nicht mehr in der Oberklasse des deutschen Fußballs.

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Wie stehen die langfristigen Erfolgschancen von Zweit- und Drittligisten?
Foto: Volker Ballasch
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Fünf von ihnen sind sogar in die Drittklassigkeit abgerutscht, MSV Duisburg kennt die dritte Liga ebenso wie die zweite und klopft aktuell wieder an die Kellertür. Bei diesen Namen stellt sich schnell die Frage, wie es um die Chancen der unterklassigen Vereine bestellt ist, wenn sie nach oben wollen. Holstein Kiel hat es letztes Jahr beinahe geschafft und greift die Spitze erneut an – doch hätten sie den Background, um sich oben festzuhalten? Dieser Artikel schaut sich die harte Wahrheit einmal an.

Alles hängt am Geld
Vielfach können die deutschen Drittligisten wohl nur müde lächeln, wenn Zweitligaklubs über das Geld reden. Denn wer in die dritte Liga absteigt und nicht direkt wieder hochkommt, der rechnet erfahrungsgemäß mit Millionen, die ein riesiges Minus vor der Zahl stehen haben. Allein in der vergangenen Saison meldeten zwei Drittligisten Insolvenz an, unter ihnen mit dem Chemnitzer FC ein Club, dessen Zweitligalasten ihm zum Verhängnis wurden. Aktuell geht das Gerücht herum, dass die Teufel vom Betzenberg Insolvenz anmelden müssen, da nicht sicher ist, wie sie die fehlenden 12 Millionen Euro, die der DFB nachträglich für die Lizenz verlangt, stemmen können. Aber woher kommen gerade die Probleme der dritten Liga, die von Experten schon als »Pleiteliga« bezeichnet wird? Ein Überblick:

  • Anforderungen – die dritte Liga gilt als Profiliga und alle Vereine müssen in einem bestimmten Zeitraum sicherstellen, dass sie die geforderte Infrastruktur bieten. In erster Linie bedeutet das, dass ein Stadion gefordert wird, welches zweit- und erstligatauglich ist. Für ehemalige Regionalligisten ist dies ein hohes Risiko, für Zweitligaabsteiger ein Gratbrecher.
  • Einnahmen – es gibt sie, die Vereine, die auch nach mehreren Jahren in der Unterklassigkeit noch Fans haben. Aktuell ist der Betzenberg immer gut gefüllt, auch die Löwen und Hansa Rostock haben keine Probleme mit leeren Rängen. Das ist jedoch die Ausnahme. Fakt ist: Zuschauereinnahmen brechen massiv weg, während die Stadionkosten weiterlaufen.
  • Rücklagen – Vereine der dritten Liga müssen nicht nur die Lizenz anfordern, sie müssen in der Regel eine Rücklage an den DFB zahlen. Je nach Forderung kann diese vier Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Die Profikader der dritten Liga liegen ebenfalls in diesem Bereich.


In der Zweiten Liga verhält sich die Angelegenheit noch ein wenig besser, da die äußeren Einnahmen hier höher sind. Auch ist es einfacher für die Clubs, gute Sponsoren und Geldgeber zu finden. Doch auch für Zweitligavereine kann es eng werden, wenn sie im Abstiegsstrudel stecken oder aus der Oberklasse absteigen, wenn sie gerade erst das Stadion umgebaut haben.
Wenig Geld hat für alle 38 Vereine aber noch ganz andere Nachteile:

  • Einkäufe – es ist kaum möglich, oberklassige Spieler zum Verein zu locken. Wenn höherklassige Spieler geholt werden, dann gehören sie meist zu den älteren, beim Ex-Verein aussortierten Spielern.
  • Verträge – ein Drittligist weiß, dass er, sobald er einen guten Spieler hat und dieser sich über eine Halbserie etabliert, schon nach einem Ersatz suchen kann. In der Zweiten Liga ist das Problem zwar auch gegeben, doch kaufen die Zweitligisten munter die dritte Liga leer. Wobei »kaufen« in der dritten Liga bedeutet, dass der Verein mit Glück einen mittleren sechsstelligen Betrag einnimmt.
  • Verstärkung – wer den Aufstieg plant oder ihn schon geschafft hat, hat kaum die Möglichkeit, ordentlich für die kommende Saison einzukaufen. Selbst Zweitligisten (mit Ausnahme dem HSV und Köln) können keine Spieler der Klasse holen, die ein langjähriger Erstligist wie Mainz oder Freiburg holt.


Sponsoren und Fernsehgelder als wichtigste Größen

Für die beiden unteren Bundesligen sind Sponsoren und – in Liga 2 – Fernsehgelder die maßgeblichsten Einnahmequellen. In diesem Punkt müssen die Ligen getrennt voneinander betrachtet werden, da die Zweite Bundesliga zur DFL gehört.

Liga 2:
  • Sponsoren – viele Vereine können hier schon ganz anders auftreten. Hauptsponsoren wie Rewe, Famila, Fly Emirates oder MediaMarkt geben bessere Verträge, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Spiele medial weit verbreitet übertragen werden und selbst Nebensponsoren so sichtbar sind.
  • Unterstützer – die DFL erlaubt die Werbung oder Sponsorenbeteiligung von Unternehmen in fast allen Branchen. Zurzeit sind Glücksspielanbieter als Bundesliga-Sponsoren sehr beliebt. Der 1. FC Magdeburg trägt beispielsweise Sunmaker auf der Brust, Holstein Kiel arbeitet eng mit DrückGlück zusammen.
  • TV-Gelder – die insgesamt 186 Millionen Euro Fernsehgelder werden in der Zweiten Liga auf die Vereine anhand ihrer Saisonleistung aufgeteilt.


Liga 3:
  • Sponsoren – in der dritten Liga kommen viele Sponsoren wie Seat, Brita, KiKxxl, FRIMO oder SWK Bank, die als Trikotsponsor gelten. Die Verträge gehen aber selten auf eine Summe von über 500.000 Euro hinaus.
  • Unterstützer – der DFB vermarktet die Liga eigens, sodass sie von bwin gesponsort wird. Die Vereine erhalten auch hieraus einen kleinen Betrag. Der 1. FC Kaiserslautern bleibt zum Beispiel auch in der 3. Liga weiterhin mit LOTTO Rheinland-Pfalz verbunden, womit dem Pfälzer Traditionsverein auch nach dem Abstieg eine Unterstützung zugesichert wird.
  • TV-Gelder – die 20 Vereine bekommen jeweils 1.28 Millionen Euro Fernsehgelder in der Saison. Dass sich hiervon keine Sprünge machen lassen, ist klar.


Wie sieht die potenzielle Zukunft aus?

Es muss sich - insbesondere im Unterhaus – in der nahen Zukunft etwas ändern. Es kann nicht verlangt werden, dass ein Profifußball in der dritten Liga sichergestellt werden muss, ohne aber, dass die Vereine auch nur vergleichbare Gelder wie die Zweitligisten zur Verfügung haben. Und auch der Sprung von der zweiten in die erste Spielklasse wird für langjährige Zweitligisten ein immer größeres Problem. Allgemein muss insgesamt davon ausgegangen werden, dass selbst Erstligaabsteiger bald mit Insolvenzproblemen zu kämpfen haben dürften, wenn sie trotz bestehender laufender Kosten teils um die Hälfte weniger Einnahmen haben.

Fazit - Erfolg am Rechenschieber
Wenn auch der Erfolg bei vielen Zweit- und Drittligisten auf sich warten lässt, darf behauptet werden, dass die meisten Vereine bereits die Champions League am Rechenschieber gewonnen haben. Denn rechnen ist für viele Vereine das trübe Tagesgeschäft und leider geht es hier selten darum, wie viele Punkte noch zum Aufstieg fehlen.


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Kommentare

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Kommentar zu dieser News

Kommentar von Jakob am 03.02.2019 um 13:10 Uhr:

Für mich ist die 2. Liga am interessantesten. Die 1. Bundesliga ist häufig ganz vorhersehbar und die Drittliga-Spieler sind meistens viel zu schwach, damit ich die Spiele genießen könnte.

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