Sebastian Nachreiner-Exklusiv: „Ich habe nicht damit gerechnet im Profi-Fußball zu spielen“

Der derzeit verletzte Sebastian Nachreiner kann auf eindrucksvolle Art und Weise beweisen, dass auch ein Studium und Profi-Fußball unter einen Hut zu bekommen sind. Der 25-jährige Jura-Student spielt beim SSV Jahn Regensburg in der 3. Liga Fußball und studiert gleichzeitig. Er muss dafür körperliche und geistige Höchstleistungen bringen. Seine Trainer haben dafür bisher immer Verständnis aufbringen können. Zunächst möchte er nun jedoch möglichst schnell wieder fit werden. Dies hat er 3-liga.com-Reporter Henning Klefisch verraten können.

Datum der Veröffentlichung: Uhr | Autor:

Sebastian Nachreiner-Exklusiv: „Ich habe nicht damit gerechnet im Profi-Fußball zu spielen“
Foto: Foto Butzhammer
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3-liga.com: Hallo Sebastian, aktuell fällst du wegen eines Innen- und Außenbandanrisses im linken Sprunggelenk aus. Wie geht es dir aktuell?
Nachreiner: „In der letzten Woche ist mein Fuß ruhig gestellt worden. Dann soll der Gips heruntergenommen werden. Danach geht es so langsam in die Reha.“

3-liga.com: Wie lange wirst du noch ausfallen?
Nachreiner: „Die erste Woche ist nun vorbei. Es wird noch voraussichtlich rund vier Wochen dauern.“
3-liga.com: Gleich zu Saisonbeginn auszufallen, ist sicherlich ein enormer Nachteil für dich?
Nachreiner: „Absolut, da ich die gesamte Vorbereitung bestritten habe. Das ist natürlich jetzt bitter. Es hilft jedoch nichts, denn es geht nun darum, dass ich diese Verletzung möglichst schnell auskurieren kann. Dann werde ich hoffentlich auch wiederspielen. Zunächst werde ich meine Verletzung richtig auskurieren.“

3-liga.com: Wie bewertest du die bisherige Spielzeit?
Nachreiner: „Mit dem Heimsieg gegen den MSV Duisburg sind wir ganz gut in die Saison gestartet. Das war eine sehr ordentliche Leistung. Mit drei Niederlagen in Folge sieht das ganze natürlich nicht so gut aus. Insbesondere am Samstag haben wir keine gute Leistung gezeigt. Wir haben da alles vermissen lassen, was man braucht, um solch ein Spiel zu gewinnen. Wir haben gegen den Ball schlecht agiert und dazu viele individuelle Fehler begangen. Bei eigenem Ballbesitz haben wir zu viele Fehlpässe gespielt. Das war ein Tag zum Vergessen.“

3-liga.com: Seid ihr überrascht worden, dass Borussia Dortmund mit solch einem starken Gegenpressing agiert hat?
Nachreiner: „Das würde ich jetzt gar nicht so sagen, denn damit konnte man rechnen. Das ist nichts Ungewöhnliches in dieser Liga, dass so früh attackiert wird und man dementsprechend immer unter Druck gesetzt wird. Wir haben es an diesem Tag einfach nicht geschafft, Lösungen zu finden. Wir haben das Spiel zu Recht auch in dieser Höhe das Spiel verloren."

3-liga.com: War dies ein wichtiger Warnschuss zum frühen Stadium der Saison.
Nachreiner: „So muss man das sicherlich sosehen. Zum richtigen Zeitpunkt sind wir gewarnt worden. Wir haben klar aufgezeigt bekommen, an welchen Schwächen wir noch arbeiten müssen. Sonst wird es gegen andere Gegner auch nicht leichter sein. Wir müssen die Fehler versuchen nun abzustellen und es in Zukunft besser machen. Lieber jetzt so früh, als ein paar Spieltage später.“

3-liga.com: Wie schätzt du die Qualität der Liga ein? Ist sie noch besser geworden?
Nachreiner: „Das sehe ich auch so. Es sind wirklich gute Absteiger in die Liga gekommen und die Qualität ist insgesamt ein ganzes Stück besser als in der letzten Saison. Es gibt unglaublich viele Mannschaften, die um den Aufstieg mitspielen werden. Es wird wieder eine enge Spielklasse sein, in der es nach oben und unten keine sonderlich großen Abstände gibt. Es wird so ähnlich sein, dass wirklich Jeder Jeden schlagen kann. Wir werden dies ganz ähnlich erleben, wie letzte Saison.“

3-liga.com: Für euch ist das erklärte Saisonziel ein sicherer Mittelfeldplatz. Ihr möchtet auch zunächst einmal die Punkte nach unten sichern. Mit Bezug auf das neue Stadion will man vielleicht auch einmal eine sorgenfreie Saison mit dem neunten Tabellenplatz anstreben.
Nachreiner: „Natürlich haben wir uns vorgenommen, eine bessere Platzierung als in der vergangenen Saison zu erreichen. Vor allem wollen wir aber möglichst schnell einen gewissen Abstand zu den Abstiegsrängen herstellen. Das ist das Allerwichtigste. Wenn uns das gut gelingt, ist auch ein einstelliger Tabellenplatz möglich.“

3-liga.com: Ich habe gehört, dass du aktuell noch ein Jurastudium absolvierst. Wie wichtig ist für dich die geistige Arbeit neben der sportlichen Karriere?
Nachreiner: „Für mich war das mit dem Jurastudium schon immer klar. Ich habe mit dem Jurastudium angefangen, noch bevor ich in das Profigeschäft rein gerutscht bin. Ich habe in Regensburg studiert, dann beim Heimatverein Dingolfing in der Landesliga gespielt und bin nach einem Jahr Studium nach Regensburg gewechselt. Zunächst habe ich in der gleichen Liga bei Regensburg II gespielt. Durch gute Trainingsleistungen habe ich mich schließlich für die erste Mannschaft empfehlen können. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich irgendwann überhaupt einmal Profi-Fußball spiele.“

3-liga.com: Im Jahr 2012 seid ihr bekanntlich überraschend in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Der Kontrast war wahrscheinlich gewaltig im Vergleich zur Dritten Liga?
Nachreiner: „Schon der Sprung in die 3. Liga war für mich ein gewaltiger Schritt. Wenn man auf einmal vor 6 bis 7000 Zuschauern spielt und davor vor maximal 500 Fans ist das ein riesiger Unterschied. In der 2. Bundesliga ist das natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer, wenn man in Köln, Kaiserslautern oder in der Allianz Arena spielen kann. Das waren schon tolle Erlebnisse, auch wenn der sofortige Abstieg in die 3. Liga natürlich bitter gewesen ist. Es war eine wichtige Erfahrung.“

3-liga.com: Hast du einen Trainer, dem du besonders dankbar bist, weil du menschlich und sportlich viel von ihm gelernt hast?
Nachreiner: „Markus Weinzierl bin ich besonders dankbar, weil er mich in die erste Mannschaft hochgezogen hat. Da durfte ich mittrainieren und habe von ihm das Vertrauen geschenkt bekommen. Er hat mir eine Chance gegeben, die ich letztlich auch nutzen konnte. Ich habe bei ihm viel spielen können. Er hat mich schon maßgeblich geprägt und enorm weitergebracht.“

3-liga.com: Hat es dich überrascht, dass er zuletzt so erfolgreich mit dem FC Augsburg gewesen ist? Oder war es vielmehr die logische Konsequenz?
Nachreiner: „Als logische Konsequenz kann man so etwas letztlich nie bezeichnen. Ich bin voll davon überzeugt, dass er ein guter Trainer ist. Das hat er bei uns bewiesen. Es freut mich natürlich, dass er sich in Augsburg durchgesetzt hat. Ich verfolge seine Entwicklung. Er ist menschlich ein Super-Typ und besitzt wirklich einige Fähigkeiten.“

3-liga.com: Hast du eine Idee, was du nach der Karriere machen möchtest?
Nachreiner: „Ich weiß jetzt noch nicht hundertprozentig, was es dann genau wird. Die Tendenz wird dahin gehen, dass ich mit meinem Studium etwas anfangen und eine Laufbahn als Jurist einschlagen möchte. (In welche Richtung ich gehe, weiß ich noch nicht so genau.) Ich lasse das alles auf mich zukommen. Es wird auch notenabhängig sein, welche Möglichkeiten ich besitze. Ob ich die Jobs dann aussuchen kann oder ob ich nehmen muss, was ich kriege.“

3-liga.com: Wäre auch der Bereich“ Sportrecht bei geeigneten Noten eine Option für dich?
Nachreiner: „Ja das wäre sicherlich ein Bereich, der nicht uninteressant ist. Diese Option möchte ich mir ganz gerne offenhalten. Vielleicht könnte ich dann etwas in Richtung DFB (Deutscher Fußball-Bund) machen.“

3-liga.com: Wie wichtig sind Freunde und Familie neben dem stressigen Fußballer-Alltag?
Nachreiner: „Ich finde das sehr wichtig. Gerade, wenn es etwas stressiger wird, können sie helfen. Wenn es gut läuft, klopfen einem viele Leute auf die Schulter. Wenn es hingegen einmal nicht so gut läuft, dann ist es unglaublich wichtig, dass man Personen hinter sich weiß. Ob du gut oder schlecht gespielt hast. Freunde und Familie können dich wieder auffangen.“

3-liga.com: Mit Alexander Schmidt habt ihr einen Zweitliga-erfahrenen Trainer vom TSV 1860 München nun dazubekommen. Wie würdest du den neuen Trainer beschreiben?
Nachreiner: „Alexander Schmidt ist ein akribischer Arbeiter. Er investiert sehr viel Zeit in Trainingsvorbereitung und -nachbereitung. Er achtet auf viele Details. Sein Training macht mir großen Spaß. Es gibt gute Trainingsinhalte, von denen man als Spieler sehr profitieren kann. Auch abseits des Spielfeldes ist der Umgang mit ihm sehr angenehm.“

3-liga.com: Wenn es privat oder im Studium Probleme gibt, kannst du zum Trainer gehen und dich ihm anvertrauen?
Nachreiner: „Ich bin in meiner Situation eindeutig auf das Verständnis der Verantwortlichen angewiesen, wenn irgendwelche Termine von der Uni anstehen, wie etwa Prüfungen. (Dann bin ich auf Verständnis angewiesen). Fußball ist mein Job, welcher nicht zu kurz kommen darf. Bisher ließ sich das aber auch Dank meiner Trainer immer mit meinem Studium vereinbaren. Das war auch eine Bedingung für mich. Ich möchte das Studium unbedingt fertig machen.“

3-liga.com: Was wäre, wenn ein Trainer zu dir sagen würde, dass du das Studium aufgeben musst, weil du dich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren sollst, würde dies für dich das Ende der Profi-Karriere bedeuten?
Nachreiner: „Ein Teilzeitstudium wäre nicht möglich in diesem Studiengang. Wenn es so werden würde, was bisher zum Glück nicht der Fall gewesen ist, wäre dies für mich ein Grund gewesen, die Profikarriere aufzugeben. Ich würde mit dem Fußballspielen nicht komplett aufhören, aber zumindest dem Profigeschäft den Rücken kehren. Ich bin jetzt mit dem Studium so weit, dass ich auch perspektivisch denken muss.“

3-liga.com: Es gibt viele Präsidenten und Trainer, die der Meinung sind, dass der Einnahmen-Kontrast zwischen der 2. und 3. Liga sehr groß ist. Siehst du dies ähnlich?
Nachreiner: „Es wäre sicher schön, wenn es mehr Medieninteresse für die 3. Liga geben würde. Auf die Fernsehgelder bezogen, gibt es einen gewaltigen Unterschied. Mehr Angleichung würde für die Drittliga-Vereine schon enorm viel ausmachen. Gleichzeitig glaube ich aber schon, dass die Entwicklung dahin geht, dass die 3. Liga mehr Beachtung findet. Die neue Marketingkampagne wird dabei hoffentlich helfen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.“

Quelle: Klefisch-Exklusiv

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