FSV Zwickau: Bei Saisonabbruch eine Mio. Euro Verlust

Vereinsführung der Westsachsen skizziert aktuelle Situation in der Corona-Krise.

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FSV Zwickau: Bei Saisonabbruch eine Mio. Euro Verlust
Foto: Frank Scheuring
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Nachdem der Spiel- und Trainingsbetrieb beim FSV Zwickau aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus mindestens bis zum 30. April vollständig eingestellt werden musste, haben sich die Umsatzerlöse aus dem Public-Bereich (Zuschauer-Entgelte), den Fernseh-Entgelten und den Sponsoring-Erlösen, soweit sie noch nicht für die Saison 2019/2020 gezahlt waren, auf Null reduziert. Sollte die Saison 2019/2020 nicht fortgesetzt und die bis 30. April ausgesetzten Heimspiele nicht nachgeholt werden können, wird der FSV Zwickau in Höhe von knapp einer Million Euro verlieren.

Auch wenn noch nicht feststeht, ob und - wenn ja - wann der Trainings- und Spielbetrieb der Saison 2019/2020 fortgesetzt werden kann, steht zumindest fest, dass der FSV Zwickau auf jeden Fall bis zum 30. April keine Einnahmen generieren wird. Aus diesem Grund hat der Verein für sämtliche Mitarbeiter (Spieler, Trainer und Geschäftsstellen-Mitarbeiter) Kurzarbeit Null angeordnet und gegenüber der Bundesagentur für Arbeit angezeigt sowie die Gewährung des Kurzarbeitergeldes beantragt. Wird das Kurzarbeitergeld gewährt, können zumindest die Personalkosten weitgehend gesenkt werden.

Da es für geringfügig Beschäftige noch keine Regelung zum Kurzarbeitergeld gibt, bleiben dennoch Belastungen für den FSV Zwickau aus Lohnkosten bestehen. "Wir versuchen aber, auch diese weitestgehend zu reduzieren", teilte der Verein mit. "Weiterhin haben wir die möglichen Stundungen beim Finanzamt und den Sozialversicherungsträgern beantragt. Die sonstigen laufenden Kosten bleiben jedoch - soweit sie nicht gestundet werden können - bestehen. Neben dem Kurzarbeitergeld haben wir bei unserer Hausbank Liquiditätshilfemittel beantragt. Da es sich hierbei um Darlehen handelt, die bis zu 90 Prozent von der Bürgschaftsbank oder der KfW abgesichert werden, ist noch nicht klar, ob der FSV Zwickau diese Liquiditätshilfen überhaupt gewährt bekommt. Um die Chancen auf die Gewährung derartiger Mittel zu erhöhen, treiben wir aktuell die Ausgliederung des Spielbetriebs vom Verein auf die FSV Zwickau Spielbetriebsgesellschaft mbH voran, da Kapitalgesellschaften nach Auffassung der Banken einfacher Darlehen gewährt bekommen können als Vereine. Für die Ausgliederung bedarf es noch deren Eintragung im Handelsregister. Diese wurde zwischenzeitlich beantragt. Gleichwohl muss auch die Kapitaldienstfähigkeit der Spielbetriebsgesellschaft gegeben sein und die Bank muss die 10 Prozent verbleibende Haftung für ein solches Darlehen in das eigene Obligo nehmen. Außerdem führen sämtliche Stundungen und Darlehen lediglich zu einer Verschiebung des Liquiditätsproblems in die Zukunft und es werden kurzfristige Verbindlichkeiten in mittel- bzw. langfristige Verbindlichkeiten gewandelt. Die dadurch entstehende Bugwelle von Verbindlichkeiten lässt sich aber aufgrund des aktuellen Konstrukts von Bund und Länder zur Liquiditätshilfe nicht vermeiden, wenn der FSV Zwickau diese Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen will."

Wie die Zahlen der Einnahmeverluste zeigen, liegt der Darlehensbedarf zur Abdeckung des Liquiditätsbedarfes der aktuellen und kommenden Saison im siebenstelligen Euro-Bereich. Die mit der Ausgliederung verbundene Aussicht auf Generierung von Eigenkapital durch Investoren ist aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus erst einmal auf Eis gelegt. Der Vorstand des FSV Zwickau geht davon aus, dass zumindest bis zum regulären Ende der Saison 2019/2020, das heißt bis zum 30.Juni, kein Fußballspiel unter öffentlicher Beteiligung in der GGZ-Arena stattfinden wird. Sollte es zu "Geisterspielen" kommen, wie dies vereinzelt bereits angedacht wurde, müsste der FSV Zwickau die Kurzarbeit Null aufheben und auf den einzigen Liquiditätszuschuss, der nicht rückzahlbar ist, verzichten. Mangels Zuschauereinnahmen in Höhe von etwa 540.000 Euro würde ohne die Gewährung von darlehensbasierten Liquiditätshilfen in dieser Konstellation eine Liquiditätslücke in Höhe von mehr als 800.000 Euro entstehen.

Zum einen steht nicht fest, ob der FSV Zwickau überhaupt derartige darlehensbasierten Liquiditätshilfen gewährt bekommt. Zum anderen wäre es betriebswirtschaftlich vollkommen abwegig, Lohnkosten aus Darlehen zu finanzieren, ohne im Gegenzug aus Umsatzerlösen ausreichende Deckungsbeiträge zu generieren und auf nicht rückzahlbare Zuschüsse zu verzichten.

"Trotz der schwerwiegenden Krise freuen wir uns sehr über viele Reaktionen unserer Sponsoren und Partner, Mitglieder, Fans und Unterstützer die ihren Teil dazu beitragen wollen, dass der FSV Zwickau diese schwierige Zeit übersteht", schreibt der Verein weiter. "Neben den Dauerkarten-Inhabern gilt dabei ein großer Dank unseren Sponsoren und Partnern, die bereits jetzt angeboten haben, auf die anteilige Rückerstattung zu verzichten und uns auch weiterhin zu unterstützen. Erfreulicherweise gibt es auch bereits Zusagen von Sponsoren, ihr Engagement in der neuen Saison fortzusetzen und zum Teil sogar zu erhöhen. Trotz der Unwissenheit über die bevorstehende Zeit bleiben wir optimistisch und sicher, dass wir gestärkt aus dieser Krise herausgehen werden."

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