Marcel Kaffenberger: Für mich war die Verletzung zunächst ein Schlag ins Gesicht

Spieler Marcel Kaffenberger im Interview über seine Zeit bei den Sportfreunden Lotte und dem Chemnitzer FC, Fans, die hohen Ablösesummen im Fußball, seinem Verletzungspech sowie persönlichen Zukunftsplänen im Interview.

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Marcel Kaffenberger: Für mich war die Verletzung zunächst ein Schlag ins Gesicht
Foto: Schwerer Moment - Marcel Kaffenberger muss verletzt vom Platz (imago/osnapix)
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Hallo Marcel, vor fünf Monaten hast Du Dein bisher letztes Profispiel bestritten (Anm. Sportfreunde Lotte - FSV Zwickau 2:1). Ein Riss der Achillessehne beendete für Dich vorzeitig die letzte Saison. Wie geht es Dir derzeit und in welchem Stadium ist Dein Heilungsprozess?

MK: Selbstverständlich war die Situation für mich erstmal nicht einfach. Der Schock war schon sehr groß. Selbst heute ist noch viel Geduld gefragt. Ich brauche da noch etwas Zeit. Aber ansonsten geht es mir gut und ich blicke voller Vorfreude auf die Zukunft.

Die aktuelle Saison ist in vollem Gange, wie schnell wirst Du selber wieder am Ball sein können / 100% fit sein?

MK: Ich denke, dass ich in zwei Wochen wieder mit dem Ball trainieren kann und auch da zwei Monate Einfindung brauchen werde, bis ich vollständig fit bin. Ich gebe 100% für die Genesung und denke, zum Rückrundenstart wieder spielen zu können.

Dein Vertrag in Lotte lief zum Saisonende aus. Wie überraschend kam für Dich die Trennung und wie resümierst Du Deine Zeit bei den Sportfreunden?

MK: Es gab nach Saisonende noch Gespräche mit dem Verein, aber letztendlich konnte man sich nicht einigen. Das gehört zum Fußball dazu. Die Verletzung kam natürlich auch für diese Angelegenheit zu einem sehr schlechten Zeitpunkt. Dennoch blicke ich auf eine aufregende Zeit in Lotte zurück, besonders die starke Leistung im DFB Pokal war für mich eine tolle Erfahrung.

Der Start in die neue Saison verlief für Deine letzten beiden Vereine (Chemnitzer FC, Sportfreunde Lotte) eher schwach, für den CFC gar desaströs. Beide Klubs verloren im Sommer neben einigen Führungskräften auch ihren Trainer der letzten Spielzeit. Wie bewertest Du die Situation der Beiden und welche Prognose gibst Du für den jeweiligen Saisonverlauf ab ?

MK: Natürlich verfolge ich meine Ex Vereine auch weiterhin. Ich glaube, es bleibt spannend zu sehen, wie sich beide Vereine entwickeln werden. Beide Klubs hatten ja im Sommer einen Umbruch. In Lotte kam dieser überraschend, beim CFC war es aufgrund der finanziellen Lage absehbarer. Der Start war sicher nicht optimal, aber für beide Teams ist noch alles möglich. Den Klassenerhalt sollten beide Vereine schaffen, da bin ich mir sicher.

Bei beiden Vereinen warst Du ein Jahr unter Vertrag. Bei beiden Klubs kamst Du auf jeweils knapp 20 Spiele. Wie fällt Dein Vergleich zwischen den beiden Vereinen aus und wo hast Du Dich persönlich wohler gefühlt?

MK: Der CFC war und ist natürlich der größere Verein, ebenso wie das Medieninteresse. In Lotte war jedoch alles sehr familiär, was auch seine Vorteile hat. Ich habe mich bei beiden Vereinen absolut wohl gefühlt und blicke auf ein jeweils schönes Jahr mit Höhen und Tiefen zurück.

Insgesamt hast Du 27 Spiele in der 3.Liga bestritten und dabei ein Tor erzielt und zwei weitere vorbereitet. Gab es ein Spiel, welches Dir hierbei in negativer / positiver Erinnerung geblieben ist?

MK: Natürlich blicke ich gerne auf das Spiel mit dem Chemnitzer FC 2015 gegen Fortuna Köln (Anm: 3:1) zurück, bei dem ich ein Tor und eine Vorlage beisteuern konnte und sogar zum Spieler des Spiels ernannt wurde. Auch das 6:0 mit den Sportfreunden Lotte gegen den SC Paderborn 07 war natürlich ein Highlight. Sehr enttäuschend waren allerdings die beiden Derbys mit dem CFC gegen Aue. Wir wollten damals unbedingt gewinnen - besonders für die Fans, und ich glaube die Reaktion nach den Niederlagen hat gezeigt, wie wichtig diese Spiele für den Verein waren. Da war die Enttäuschung schon sehr groß.

Sowohl beim CFC als auch in Lotte wirktest Du im Team voll integriert. Welche Freundschaften / Bekanntschaften hast
Du in diesen zwei Jahren gewonnen? Gibt es mit manchen Spielern bis heute Kontakt?


MK: Klar, es gibt mit einigen Spielern noch bis heute Kontakt. Vom CFC bin ich bis heute gut mit Kevin Kunz und Marc Endres befreundet. Aus Lotte gibt es da Matthias Rahn, Jaroslaw Lindner oder auch Yannick Zummack. Ich bin stolz darauf, bis heute Kontakt mit den Jungs zu haben. Das zeigt auch, wie wohl ich mich in den Teams gefühlt habe.

Ein großes Thema sind derzeit die stark ansteigenden Ablösesummen. Wie hast Du diese Entwicklung wahrgenommen und wie bewertest Du diese?

MK: Solche Summen wie zB beim Transfer von Neymar muss man schon kritisch sehen. Es ist halt so, dass Fußball die Massen stark anzieht und deutlich populärer ist als Handball oder Volleyball. Dennoch finde ich, dass es eine Obergrenze für Ablösesummen geben muss, da dies sonst immer weiter in die Vergleichslosigkeit abdriftet.

Ebenfalls im Mittelpunkt standen zuletzt viele Fanszenen/Ultraszenen, die von einigen Funktionären massiv kritisiert wurden. Wie hast Du die "allgemeine" Fanbewegung zuletzt wahrgenommen und teilst du die Kritik diesbezüglich?

MK: Für die Fanbewegung habe ich generell ein sehr großes Interesse. Ich bin ja auch im Umfeld von Eintracht Frankfurt groß geworden und habe z.B. so die Szene der Eintracht hautnah miterlebt. Wir haben in Deutschland sogar in den unteren Ligen einige tolle Fanszenen, wenn man zum Beispiel an Saarbrücken, Rostock oder Magdeburg denkt. Solche Vereine gehören von den Fans her mindestens in die 2.Bundesliga. Und natürlich freut sich fast jeder Spieler über eine tolle, lautstarke Atmosphäre im Stadion. Das ist immer ein tolles Gefühl, vor vielen Fans zu spielen. Die Kritik gegen die Fans müssen andere beurteilen. Klar ist dennoch, dass Gewalt im Fußball nichts zu suchen ist.

Fantechnisch hast Du ja zuletzt unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Während Du in Lotte vor einem ruhigen, überschaubaren Publikum aktiv warst, konntest Du beim CFC oft die lautstarke Unterstützung vieler Fans genießen. Bevorzugst Du eher eine ruhige Kulisse beim Spiel oder gewinnst Du durch eine lautstarke Atmosphäre zusätzliche Motivation?

MK: Viele, lautstarke Fans sind selbstverständlich für die meisten Fußballspieler motivierend. In Lotte war das natürlich etwas ganz anderes als beim CFC. Aber auch in Lotte war es beeindruckend zu sehen, mit wie viel Herzblut die wenigen Fans dabei waren. Aber klar, es ist halt immer eine tolle Angelegenheit mit vielen Fans im Rücken zu spielen. Insgesamt finde ich beide Modelle sehr interessant.

Zuletzt warst Du in der 3.Liga aktiv, jedoch hast Du auch schon in der 2.Bundesliga gespielt. (Anm. 4 Spiele für den FSV Frankfurt) Welches "Wunschprofil" hast Du für Deinen kommenden Verein? Wäre für Dich auch die Regionalliga eine Option?

MK: Ich komme bald wieder aus einer langen Verletzung raus. Zuletzt hat mir einfach das Glück gefehlt. Das Selbstvertrauen habe ich aber nie verloren und ich glaube auch, dass ich mir einen passablen Namen gemacht habe. Dennoch ist die Regionalliga aufgrund dieser langen Verletzung definitiv eine Option. Da muss man realistisch sein. Zurzeit hat die Genesung aber oberste Priorität.

Die Verletzung im April hat Dich wie schon in Chemnitz kurz vor dem Durchbruch ausgebremst. Wie lange hat es gedauert, bis Du wieder positiv gestimmt warst und was kannst Du jungen Spielen, die in einer solchen Situation sind, mitgeben?

MK: Für mich war die Verletzung zunächst ein Schlag ins Gesicht. Es hat absolut seine Zeit gedauert, bis ich positiv gestimmt war. Ich wünsche auch Sebastian Kerk (Anm: spielt beim 1.FC Nürnberg) und Manuel Janzer (Anm: spielt bei Holstein Kiel) alles Gute für ihre Genesung. Diese Verletzung ist schon sehr hart. Bis heute ist die Achillessehne noch nach dem Aufstehen steif, das sagt schon viel aus. Ich habe aber tolle Unterstützung von Familie und Freunden erhalten, es war und ist auch viel Geduld gefragt. Ich kann weitergeben, dass man immer an sich glauben und weitermachen soll. Auch ich habe mir schon oft die "Was wäre wenn..?" Frage gestellt, aber ab einem gewissen Punkt muss man wieder nach vorne blicken. Ich habe jetzt wieder eine gute, sehr positive Grundstimmung. Für mich beginnt jetzt sozusagen meine 2.Karriere und ich bin fest davon überzeugt, dass ich diese Chance nutzen werde.

Danke für das Interview, Marcel und alles erdenklich Gute Dir für die Zukunft!

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