Saarbrückens neuer Trainer Sasic: „Nur ein Trainer, der Informationen hat, kann ein guter Trainer sein“

Mit Milan Sasic hat der 1. FC Saarbrücken einen überaus erfahrenen Trainer verpflichten können, der schon einige Trainerstationen aufzuweisen hat. Der mittlerweile 54-jährige Kroate hat mit der TuS Koblenz den Aufstieg von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga geschafft. Zudem konnte er den 1. FC Kaiserslautern vor dem Abstieg in die 3. Liga retten, während er mit dem MSV Duisburg 2011 bis ins DFB-Pokalfinale vorstoßen konnte. Beim saarländischen Traditionsverein aus Saarbrücken hat er nun eine besonders komplizierte Aufgabe zu bewältigen, denn das Bundesliga-Gründungsmitglied steht nach neun Runden mit gerade einmal sechs Zählern auf einem Abstiegsplatz. Am morgigen Mittwoch muss Sasis beim Verbandspokalspiel beim Kreisligisten FC Bierbach sein erstes Pflichtspiel bestreiten. Im Gespräch mit „DFB.de“ äußert sich Sasic über die derzeitige Perspektive und gibt auch in sein privates Umfeld einen genauen Einblick.

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Saarbrückens neuer Trainer Sasic: „Nur ein Trainer, der Informationen hat, kann ein guter Trainer sein“
Foto: 1. FC Saarbrücken
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Kommunikation als Erfolgskriterium?

Über seine ersten getätigten Schritte beim FCS kann er sich ebenfalls dezidiert äußern. Sasic ist erfahren genug, um realistisch einschätzen zu können, dass die Qualität sowohl personell als auch spielerisch absolut vorhanden ist, dass der Klassenverbleib in diesem Spieljahr gesichert werden kann. Vor allem die Kommunikation erscheint für Sasic eine ganz wichtige Konponente zu sein, wie er verdeutlicht: „ Ich habe viele Gespräche geführt. Es gibt in so einer Phase nun einmal sehr viel zu besprechen. Das sind die normalen Abläufe, wenn man neu zu einem Verein kommt. Sonntag stand ich beim Auslaufen dann zum ersten Mal auf dem Trainingsplatz.“

„Die aktuelle Lage darf man nicht schönreden“

Von einigen Experten ist Saarbrücken vor der Saison als ein Geheimfavorit auf den Aufstieg gehandelt worden. Umso überraschendes war es, dass die Luginger-Schützlinge solch einen desaströsen Saisonstart absolviert haben. Die Trennung von Luginger war letztlich die Konsequenz der zahlreichen schwachen Auftritte. Über den Kontakt zum FCS kann Sasic folgendes berichten: „Es gab immer mal wieder Kontakt. Schon vor Jahren war eine Zusammenarbeit im Gespräch. Danach gab es häufiger Berührungspunkte. Als die aktuelle Anfrage kam, habe ich kurz überlegt, abgewogen und dann zugesagt. Der 1. FC Saarbrücken ist ohne Zweifel ein Verein mit Perspektive. So etwas mag ich. Die aktuelle Lage darf man allerdings nicht schönreden. Es geht jetzt darum, gemeinsam wieder nach oben zu kommen.“

„Die Reaktionen von der Tribüne fand ich positiv“

Sasic hat sich bekanntlich beim Ligaspiel gegen den Chemnitzer FC nicht auf die Trainerbank gesetzt. Zur Begründung, warum er einen Tribünenplatz vorgezogen hat und damit erst nach dem Spiel in die Verantwortung rücken wollte, sorgt er nun für Klarheit: „Das war überhaupt keine Frage. Mein endgültiges Ja hatte ich erst eine halbe Stunde vor dem Abschlusstraining gegeben. In dieser Situation wird sich wohl kein Trainer auf die Bank setzen. Das wäre an der Grenze zur Arroganz.“ Folgende Einschätzung gibt er zum 1:1-Unentschieden gegen den ebenfalls als Geheimfavoriten gestarteten CFC ab: „Als Trainer möchte ich dazu nichts sagen. Erst einmal will ich mit der Mannschaft arbeiten. Aus Zuschauersicht hat mir phasenweise das Tempo gefallen, mit dem die Mannschaft ihre Angriffe vorgetragen hat. Auch die Zweikämpfe gegen Ende der Partie waren in Ordnung. Ein Sieg war durchaus möglich. Die Reaktionen von der Tribüne fand ich positiv. Es muss uns nun konstant gelingen, das Publikum hinter uns zu bringen. Dafür reichen in einem Spiel häufig schon Kleinigkeiten. Ich habe noch nie Zuschauer erlebt, die einen Sieg verlangt haben. Aber das Publikum will zu Recht Leidenschaft, Kampf und Wille sehen.“

„Jetzt ist es entscheidend, die Spieler charakterlich kennenzulernen“

Nun ist es die primäre Aufgabe für Sasic, dass er sich möglichst schnell ein genaues Bild von seiner neuen Mannschaft machen muss, die nicht gänzlich unbekannt für ihn ist. Grund dafür ist, dass er von seinen vorherigen Stationen einige FCS-Kicker schon als Gegner erlebt hat. Dies hat er „DFB.de“ verraten: „Gegen einige von ihnen habe ich bereits mit meinen vorherigen Mannschaften gespielt. Dabei konnte ich aber nur einen optischen Eindruck gewinnen. Jetzt ist es entscheidend, die Spieler charakterlich kennenzulernen. Dafür muss ich sie im Training und während der Partien erleben.“ Zugleich kann er über seine wichtigsten Aufgaben zu Beginn seiner Trainertätigkeit auch einige Angeben machen, da er viele Informationen sammeln möchte, um an den notwendigen Schwachstellen gezielt arbeiten zu können: „Es wird sicher einige Einzelgespräche geben. Ich möchte mich so gut wie möglich über alles informieren. Nur ein Trainer, der Informationen hat, kann ein guter Trainer sein. Mit der Zeit wird in meinem Kopf dann ein genaues Bild entstehen.“ Dabei wird auch sein Assistenztrainer Fuat Kilic eine ganz entscheidende Bedeutung spielen, wie Sasic klarstellt: „Wir kennen uns schon lange und wissen, was der jeweils andere denkt. Außerdem vertrauen wir uns zu 100 Prozent, weil wir uns respektieren und immer ehrlich zueinander sind.“

„Mein kurzfristiges Ziel ist es, die derzeitige Situation ins Positive zu verändern“

Der Aufstieg scheint in dieser Saison arg unrealistisch zu sein. Dies kann Der Kroate auch bestätigen: In der jetzigen Lage über die 2. Bundesliga zu reden, ist fehl am Platz.“ Er scheint Recht zu haben, denn dafür ist der Abstand zu den vorderen Teams schon zu gewaltig. Wichtig ist für Sasic zuerst einmal den Klassenerhalt zu sichern, da viele Komponenten und vor allem auch Existenzen davon abhängen werden: „ Mein kurzfristiges Ziel ist es, die derzeitige Situation ins Positive zu verändern. Dann geht es auch darum, Strukturen aufzubauen - sowohl im sportlichen als auch im infrastrukturellen und wirtschaftlichen Bereich. Der Klub stammt aus der Hauptstadt des Saarlandes, ist der führende Verein der Region. So müssen wir auch nach außen auftreten. Nur dann wird man uns unterstützen, und nur dann wird der FCS dorthin kommen, wo ihn sich viele wünschen.“

„Es ist immer gut, als neuer Trainer gleich bei seinem Einstand erfolgreich zu sein“

Nun gibt es für die Saarländer also am kommenden Wochenende die Partie bei Borussia Dortmund II, wo einzig und allein ein Sieg entscheiden wird. Sicherlich sollte möglichst mit einem Dreier bei einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt die Heimreise angetreten werden. Dennoch macht Sasic deutlich, dass er den Druck bewusst nicht zu stark aufkommen lassen will, wie er auch begründen kann: „Es ist immer gut, als neuer Trainer gleich bei seinem Einstand erfolgreich zu sein. Die Premiere ist aber kein Schlüsselspiel. Ich will keinen Druck erzeugen. Unsere Mannschaft soll frei aufspielen. Meine Spieler müssen wissen, dass Fehler erlaubt sind. Das Schlimmste sind Fußballer, die Angst vor Fehlern haben.“ Eine ganz entscheidende Komponente wird bei ihm auch sein, dass er seine Spieler niemals öffentlich kritisieren wird. Zugleich macht er auch deutlich, dass seine Spieler den richtigen Umgang mit seiner Kritik kennen müssen: „Eines muss jedem Spieler klar sein: Kritik dient ausschließlich der Verbesserung. Und sie wird bei mir niemals in der Öffentlichkeit, sondern immer intern vorgetragen. Andernfalls könnte das ein Spieler persönlich nehmen. Das ist meine Kritik aber nie.“

„Wichtig ist die bevorstehende Aufgabe in Bierbach“

Bei der Zweitvertretung von Borussia Dortmund steht nun also eine äußerst komplizierte Auswärtsaufgabe am Wochenende auf dem Programm. Die Zielsetzung definiert Sasic klar und deutlich: „Unser Ziel ist es, die nötigen Punkte einzufahren, um unten herauszukommen und die Liga zu sichern. Wann wir sie holen, ist für mich nicht so entscheidend. Hauptsache, wir holen die nötigen Zähler.“ Nach dem überaus wichtigen Premierenspiel für ihn kommt es am Mittwoch zum Pokalspiel beim SC Paderborn 07, ehe nur drei Tage später in der Liga das Heimspiel gegen Mitkonkurrent SV Darmstadt 98 auf dem Programm steht. Beides wichtige Heimspiele, die möglichst gewonnen werden sollten, um für etwas mehr Ruhe im Umfeld sorgen zu können. Sasic setzt die Prioritäten jedoch auf das anstehende Duell mit einem Team aus der Kreisliga A aus Bierbach, welches sich morgen im Verbandspokal dem FCS entgegen stellen wird: „Bis dahin gehen meine Gedanken noch gar nicht. Wichtig ist die bevorstehende Aufgabe in Bierbach. Wir wollen uns erneut für den DFB-Pokal qualifizieren. Denkt man zu weit voraus, besteht die Gefahr, die wichtigsten Dinge aus den Augen zu verlieren.“

„Durch das Hotelleben kann ich mich optimal auf meine Arbeit konzentrieren“

Familiäre Geborgenheit ist für Sasic enorm wichtig. Deshalb bleibt seine Familie auch weiterhin in Koblenz wohnen, während er in Saarbrücken in einem Hotel es sich einrichten wird. Für ihn genießt größte Priorität, dass er soviel Zeit wie möglich für den FCS investieren kann: „In Saarbrücken habe ich ein Hotelzimmer bezogen. Ich bin ohnehin an Arbeitstagen fast den gesamten Tag auf dem Vereinsgelände. Im Hotel werden mir viele Handgriffe abgenommen, so kann ich mich optimal auf meine Arbeit konzentrieren. In Duisburg habe ich sogar zwei Jahre in einem Hotel gewohnt. An freien Tagen geht es dann zur Familie nach Koblenz.“ Seine Schwiegertochter Celia Sasic ist amtierende Europameisterin mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Schweden geworden. Über den Kontakt zu ihr berichtet er wie folgt: „ Die ganze Familie wohnt in Koblenz unter einem Dach. Celia ist nicht nur eine exzellente Fußballerin, sondern auch eine intelligente und selbstbewusste junge Frau. Sie besucht manchmal meine Spiele und ich ihre. Ich war unter anderem in Stockholm beim EM-Finale dabei, als die deutsche Mannschaft Norwegen 1:0 besiegen konnte.“

Quelle: dfb.de

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