Offenbach-Keeper Wulnikowski: „Für die Sensation werden wir alles tun“

Für die Offenbacher Kickers hat das kommende DFB-Pokal-Achtelfinalspiel gegen Fortuna Düsseldorf eine ganz besondere Bedeutung, denn nichts Geringeres als der Job von ihrem Trainer Arie van Lent steht auf dem Spiel. Bei einer Niederlage gegen den Bundesligisten ist höchstwahrscheinlich das Kapitel des Deutsch-Niederländers bei den Hessen beendet. Auf den 35-jährigen Torwart-Routinier Robert Wulnikowski wird bei diesem Match eine ganz besondere Bedeutung zukommen, denn er ist mit 168 Einsätzen der Rekordmann in der 3. Liga.

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Offenbach-Keeper Wulnikowski: „Für die Sensation werden wir alles tun“
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Der OFC hat einige ehemalige Bundesligaspieler in seinen Reihen. Hinzu kommen die rund 18.000 Fans am heimischen Bieberer Berg, die ihr Team frenetisch nach vorne schreien werden. Dennoch ist der DFB-Pokalsieger von 1970 in diesem Match der absolute Außenseiter, vor allem auch, weil das letzte Spiel gegen den VfL Osnabrück mit 1:5 verloren gegangen ist und aus den letzten sechs Begegnungen fünf Niederlagen hingenommen werden mussten. Bekanntlich hat der Pokal jedoch seine eigenen Gesetze und deshalb ist es keine Utopie, dass nach den Siegen gegen Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth und dem Zweitligisten 1. FC Union Berlin mit Fortuna Düsseldorf das dritte höherklassige Team am prestigeträchtigen Bieberer Berg scheitern wird. Im Gespräch mit „DFB.de“ äußert sich OFC-Keeper Robert Wulnikowski über das wichtige Pokalspiel, die bisherige Saison und seine persönlichen Ambitionen.

Es scheint in diesen Tagen so, dass sich ganz Offenbach auf dieses DFB-Pokalspiel freuen wird. Deshalb drückt auch Wulnikowski seine Vorfreude in Worten aus, wenn er die Wichtigkeit dieser Partie noch einmal kurz skizziert: „Das ist noch einmal ein Höhepunkt zum Jahresabschluss. Es freut mich besonders für unsere Fans, dass wir ihnen so eine Partie präsentieren können. Die Mannschaft fiebert der Begegnung vor großer Kulisse genauso entgegen. Außerdem können wir uns für den jüngsten Auftritt gegen Osnabrück rehabilitieren.“

Für Drittligisten sind solche Pokalspiele immer von einer besonderen Bedeutung, da bundesweite Aufmerksamkeit durch dieses Spiel erlangt werden kann. Zusätzlich winkt noch eine beträchtliche Einnahmequelle, die für den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Traditionsverein aus Offenbach, als sehr wichtig erachtet wird. Wulnikowski bewertet diese Begegnung wie folgt: „Selbstverständlich merken wir, dass es kein normales Meisterschaftsspiel ist. Das gehört aber dazu, und wir freuen uns darüber. Schließlich können wir uns bundesweit in einem Schaufenster präsentieren und wollen uns dabei von unserer besten Seite zeigen.“ Die Chancen auf das Weiterkommen für sein Team schätzt er realistisch ein: „Normalerweise sind die Chancen für den Drittligisten nur gering. Aber wir werden alles tun, um doch die Sensation zu schaffen. Dafür benötigen wir viel Glück. Außerdem muss sich jeder für den anderen aufopfern.“

Die bisherigen beiden Pokalspielen gegen Fürth und Union konnte der gebürtige Pole bisher gegentorlos überstehen. Sein Ziel ist mit einem dritten, gegentorlosen Spiel in Serie klar umrissen. Doch die Hoffnung auf einen eigenen Torerfolg möchte er auch nicht aufgeben, denn von der Sensation mag auch er ein wenig träumen: „Wenn uns das auch gegen Düsseldorf gelingen sollte, würden unsere Chancen rapide steigen. Die Verlängerung hätten wir sicher, vielleicht auch ein Elfmeterschießen. Vielleicht gelingt uns aber auch ein Tor in der regulären Spielzeit. Ich hätte sicher nichts dagegen.“ Ein mögliches Erfolgsrezept hat er auch schon ausfindig gemacht: „Es wird entscheidend sein, dass wir von Beginn an mit vollem Engagement zu Werke gehen und versuchen, immer wieder Nadelstiche zu setzen. Damit sind wir bisher gut gefahren und haben gezeigt, dass auch für die Underdogs etwas drin ist.“

Das Umfeld scheint von diesem Match gegen das Überraschungsteam der Bundesliga geradezu elektrisiert zu sein. Der gebürtige Pole Wulnikowski hingegen sieht keinen Unterschied zwischen den einzelnen Wettbewerben: „Für mich persönlich ändert sich gegenüber der Liga nicht so viel. Denn mein Ablauf ist immer der gleiche. Ich gehe in jede Partie mit dem Ansporn, gewinnen zu wollen - egal ob Trainings-, Freundschafts- oder Pokalspiel.“

Man mag es ihm kaum glauben, denn der Keeper selbst konnte dieses einzigartige Gefühl des Pokalfinals im Jahr 2001 mit seinem damaligen Verein Union Berlin selbst miterleben. Auch wenn er nur auf der Ersatzbank gesessen hat, so erinnert er sich nur allzu gerne an diese besondere Atmosphäre im Berliner Olympiastadion: „Mit Union Berlin haben wir damals das Finale um den DFB-Pokal gegen Schalke 0:2 verloren. Ich saß zwar auf der Bank, dennoch bekomme ich noch heute eine Gänsehaut, wenn ich an das Duell zurückdenke. Die Atmosphäre im Berliner Olympiastadion war einzigartig. Schade, dass wir verloren haben. In der ersten Halbzeit hatten wir viel Pech mit einem Lattentreffer. Dann hat sich aber die individuelle Klasse der Schalker durchgesetzt.“

Auch mit seinem derzeitigen Arbeitgeber hatte er stets schöne Erinnerungen an den DFB-Pokal, denn überraschende Siege sind bekanntlich die Schönsten. Seine Erinnerung: „Alle Pokalspiele waren Höhepunkte. Es hatte schließlich auch keiner damit gerechnet, dass wir in der ersten Runde den VfL Bochum 3:0 bezwingen. Leider war nach dem Dortmund-Spiel gegen den 1. FC Nürnberg beim 0:2 Schluss. Wenn ich mit Offenbach im DFB-Pokal dabei war, sind wir bisher immer mindestens in die zweite Runde gekommen. Ich hätte nichts dagegen, wenn es diesmal noch ein wenig weiter geht.“

Während im DFB-Pokal mit dem Einzug in das Achtelfinale ein grandioser Erfolg gelingen konnte, steht in der 3. Liga ein enttäuschender 11. Tabellenplatz zu Buche. Deutlich zu wenig für die Ansprüche des Traditionsvereins aus Offenbach. Über die möglichen Gründe dafür meint der Keeper mit der besonderen Ausstrahlung: „Wir haben in den vergangenen Partien - besonders vor eigenem Publikum - versucht, das Spiel zu dominieren. Damit haben wir uns schwer getan, weil uns zu viele Fehlpässe unterlaufen sind. Vorne waren wir häufig nicht zwingend genug. Es wird jetzt nach der Winterpause darauf ankommen, eine Serie zu starten, um weiter nach oben zu kommen. Dabei helfen uns nur Siege weiter.“

Ehrgeiz und Motivation sind zwei Tugenden, die beim 35-Jährigen besonders stark ausgeprägt sind. Deshalb ärgert ihn auch sein Fehler beim 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim so enorm. Seine Erinnerung daran schmerzt immer noch: „Ich hatte mich verschätzt und dachte, dass der Stürmer mit seinem Kopf nicht mehr an den Ball kommt. Der Fehler war spielentscheidend, auch wenn er bereits in der fünften Minute passiert ist. Es war zuvor schon Jahre her, dass ein Fehler eindeutig auf meine Kappe ging. Ich stehe ohne Wenn und Aber zu meinen Fehlern und habe mich auch bei meinen Mitspielern entschuldigt. So ist das nun einmal als Torwart: Fehler haben meist auch sofort Konsequenzen in Form von Gegentreffern.“

Die Konzentration muss als Torwart immer besonders stark ausgeprägt sein. Dies hat er in seinen zahlreichen Profijahren auch eindrucksvoll miterleben müssen. Die Ansprüche an den Keeper fasst er kurz zusammen: „Das ist richtig. Man muss als Torhüter besonders nervenstark und über 90 Minuten voll konzentriert sein, denn aus jeder Situation kann etwas Gefährliches entstehen. Häufig entscheiden wenige Zehntelsekunden darüber, ob man die richtige Entscheidung trifft. Der Gedanke an einen Fehler darf niemals zu präsent im Kopf sein. Das behindert nur. Passiert doch einmal etwas, muss man damit umgehen können und es schnell abhaken.“

Mit 35 Jahren macht man sich im Profifußball auch automatisch Gedanken, was nach dem Karriereende kommen wird. Erst einmal hat er sich jedoch noch ein paar Ziele gesteckt, die er möglichst mit den Kickers erreichen möchte. Dazu gehört es auch, dass er in die zweite Bundesliga zurückkehren möchte: „Ein paar Jährchen schaffe ich noch. So lange ich mich fit fühle und Spaß an meiner Arbeit habe, werde ich auch weitermachen. Ich habe nach wie vor Ziele. Als ich nach Offenbach gekommen bin, wollte ich mit den Kickers in die 2. Bundesliga. Daran hat sich nichts geändert.“

Danach kann er sich eine Karriere als Torwarttrainer durchaus zutrauen: „Im Moment bin ich noch aktiver Spieler. Etwas Schöneres gibt es nicht. Gedankenspiele für die Zukunft gibt es aber. Ich habe die Trainer-B-Lizenz bereits in der Tasche und möchte im nächsten Sommer auch meinen Torwarttrainerschein machen. Beim DFB-Stützpunkt in Heusenstamm trainiere ich schon Kinder und Jugendliche. Das bereitet mir großen Spaß.“

Quelle: dfb.de

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