Fortuna Köln-Trainer Koschinat im 3-liga.com-Exklusiv-Interview

Viele Fußball-Romantiker haben diesen Aufstieg des SC Fortuna Köln nach zwölfjähriger Abstinenz aus dem Profifußball herbeigesehnt. In einem Spiel, welches kein Film-Regisseur hätte besser inszenieren können, konnte sich der der DFB-Pokalfinalist aus dem Jahr 1978 den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga ermöglichen. Gegen den FC Bayern München II setzte man sich nach zwei Relegationsspielen durch, nachdem man sich zuvor in der Liga gegen starke Konkurrenz wie die Sportfreunde Lotte, Viktoria Köln und den FC Schalke 04 II hat durchsetzen können. Der Sprung von der semiprofessionellen Regionalliga West in die 3. Liga ist wirklich enorm. So wird das Leistungsniveau sich erheblich steigern. Zudem erwartet die Fortuna auch eine deutlich größere Zuschauerkulisse. Dies hat auch Koschinat so im Gespräch mit 3-liga.com-Reporter Henning Klefisch registrieren können:

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Fortuna Köln-Trainer Koschinat im 3-liga.com-Exklusiv-Interview
Foto: Fortuna Köln
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3-liga.com: Zum ersten Mal seit 2002 spielt die Fortuna wieder drittklassig, nachdem man jahrelang im fußballerischen Niemandsland des Amateurfußballs gespielt hat. Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Spielklasse?
 
Koschinat: „Gefühlt gibt es einen absoluten Zweitliga-Fußball. Im Direktvergleich mit der 2. Bundesliga hast du eine sehr große Zahl von Traditionsvereinen, weil du fast jedes Wochenende gegen eine Mannschaft spielst, die bundesweit ein enormes Standing hat. Die jeweiligen Mannschaften sind in ihrer Stadt oder Region häufig das absolute Non-plus-Ultra. Speziell im Fall von Dresden oder Rostock. Das ist eine tolle Geschichte für uns. In der öffentlichen Wahrnehmung haben wir einen Riesensprung nach vorne gemacht. Durch das mediale Interesse, vor allem durch das Fernsehen, können wir nun auch überregional in Erscheinung treten. Das wird für den Verein in seiner Außendarstellung und letztlich auch in seiner Stellung innerhalb der Stadt mit Sicherheit noch einmal ein extrem positiver Sprung sein. In Bezug auf den sportlichen Wert ist es natürlich auch sehr interessant einmal zu sehen, wie die sehr hohe Zahl an Spielern, die ich in meinem Kader habe, die bisher eigentlich immer an das Tor zur 3. Liga geklopft haben, aber oftmals gescheitert sind, wie die sich in dieser Liga schlagen. Tatsache ist, dass wir in den letzten zwei Jahren wirklich eine absolut kontinuierlich gute Entwicklung hatten und die Mannschaft eine herausragende Zahl an Punkten geholt hat. Im vergangenen Jahr haben wir neben dem zweiten Platz auch den Pokalsieg gegen Alemannia Aachen geholt. Insofern ist das schon mit einer enorm hohen Kontinuität versehen. Das macht mich schon hoffnungsfroh, dass wir in der 3. Liga sportlich bestehen können.“
 
3-liga.com: Im Relegationsrückspiel gab es in der vierten Minute der Nachspielzeit das entscheidende Tor zum 1:2. Träumen Sie noch von diesen Emotionen oder wie oft denkt man darüber nach?
 
Koschinat: „Ich habe mich schon dabei häufiger ertappt, dass man sich die Situation noch einmal anschaut. Nicht, weil es so unwirklich war oder weil man es in der ersten Phase nicht so richtig glauben konnte, was da passiert ist, denn wir haben uns emotional schon sehr stark mit dieser Situation vorbereitet. Bei der Qualität unseres Gegners war uns schon klar, dass es eine sehr enge Geschichte werden kann. Letztlich muss man sagen, dass die Art, wie wir aufgestiegen sind auch ein Stück weit für die Mentalität dieser Mannschaft steht. Wir haben in dieser Saison eine unfassbar hohe Zahl an Rückständen umgedreht und in Siege umgewandelt. Insofern ist das mit Sicherheit auch ein guter Charakterzug, den diese Mannschaft letztlich über die gesamte Saison ausgezeichnet hat. Sie haben nie aufgegeben und immer an ihre Chance geglaubt. Nach dem Spiel habe ich formuliert, dass wir eigentlich schon tot waren, aber eben nicht tot genug. Das ist ein Wesenszug, den man sich auch ein Stück weit erarbeitet und der dann natürlich auf sehr spektakuläre Weise und mit sehr viel Glück verbunden auch in München seine Vollendung quasi gefunden hat.“
 
3-liga.com: Ihr Vereinsboss Klaus Ulonska hat eine klare Meinung zu den Relegationsspielen für die 3. Liga. So sagt er, dass dies ungerecht und Unsinn sei. Wie stehen Sie dazu?
 
Koschinat: „Ich finde, dass dies keine gute Lösung ist, wenn der Meister einer Liga am Ende kein direktes Aufstiegsrecht besitzt. Auf der anderen Seite müssen alle Vereine, die heute schimpfen, sich an die eigene Nase fassen, denn diese Neuregelung und Erweiterung auf fünf Staffeln in der Regionalliga ist ursprünglich auf dem Mist der Vereine gewachsen. Man hat sich gesagt, dass die Refinanzierung bei den großen Distanzen und nur drei Ligen faktisch nicht möglich ist. Das war ein demokratischer Prozess von ganz vielen Vereinen, die aufgrund ihrer logistischen Möglichkeiten wahrscheinlich auch überhaupt nicht daran gedacht haben, mal realistisch die 3. Liga anzupeilen. Die haben sich dann eben durchgesetzt, indem sie gesagt haben, für uns ist eine Regionalliga-Konstellation das Non-plus-ultra. Dies ist auch verbunden mit mehr Derbys und kürzeren Distanzen. Dann haben sie auch eine deutlich verbesserte Möglichkeit gehabt sich darzustellen. In dieser Diskussion haben sie sich in Verbund mit den zweiten Mannschaften, die man ursprünglich raus haben wollte, eben durchgesetzt. Nun haben wir das, was man heute hat, nämlich faktisch die Verpflichtung, fünf Aufsteiger irgendwie unterzubringen. Das geht nicht, denn du kannst keine fünf Mannschaften aus der 3. Liga absteigen lassen. Das würde nie durchgesetzt werden, weil da eben zu viel dran hängt. Die Tradition dieser Vereine würde so etwas natürlich auch verbieten. Dann bist du bei einer solchen Aufstiegsregelung, die in ihrer Umsetzung natürlich schon sehr hart ist. Spiele über zweimal 90 Minuten entscheiden über Wohl oder Wehe einer ganzen Saison. Das ist ohne Frage ein Extremfaktor.“
 
3-liga.com: Sie haben sich bisher qualitativ und quantitativ sehr gut verstärken können. Wie bewerten Sie die Neuzugänge? Kommt vielleicht noch ein neuer Spieler?
 
Koschinat: „Ich bin wirklich sehr zufrieden, weil natürlich die Kaderzusammenstellung für einen Drittligisten in einem Regionalliga-Szenario nicht ganz so einfach ist. Auf der einen Seite musst du eine solche Planung schon seriös bereits im Vorfeld angehen. Selbst die Gespräche mit deinem eigenen Kader sind zunächst einmal fiktive, weil du es nicht weißt, schaffst du es tatsächlich. Wir haben es dann so angegangen, dass wir zu einem sehr frühen Zeitpunkt schon wussten, welche Spieler wir gerne für die 3. Liga gewinnen wollen. Dies betrifft sowohl eigene Spieler, mit denen wir logischerweise zuerst gesprochen und Ihnen Angebote gemacht haben, als auch für potentielle Neuzugänge, die wir über einen langen Zeitraum gescoutet haben. Es sind ja vornehmlich Spieler aus der Regionalliga West oder Kicker, die ich persönlich kannte, wie Johannes Rahn oder Lars Bender. Wir haben alles so vorbereitet, dass wir für den Tag der Entscheidung gerüstet sind. Wir haben auch gesehen im Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der die Neuzugänge zugesagt haben, dass wir ordentlich vorbereitet waren, dass die Spieler sich auch wirklich darauf gefreut haben hier bei der Fortuna zu spielen. Als wir dann endgültig die Drittligazugehörigkeit hatten, sind die Dinge sehr schnell gegangen. Da haben wir sehr professionell und weitsichtig gearbeitet, so wie in den letzten Wochen auch. Ich bin ein Fan davon, nach Möglichkeit direkt vom ersten Tag eines Trainingsstarts direkt mit dem kompletten Kader arbeiten zu können. Ich versuche die Dinge sehr strategisch anzugehen und eine kontinuierliche Entwicklung herbeizuführen. Damit meine ich eben nicht nicht nur den körperlichen und athletischen Bereich, sondern logischerweise auch taktische Strukturen. Es wäre ideal, wenn du zum ersten Meisterschaftsspiel sagen kannst, dass du jeden Spieler auf dem gleichen körperlichen Stand gebracht hast. Die zweite Herangehensweise lautet, dass man sich aufgrund der Marktsituation ein wenig Zeit lässt. Da kann man auf das eine oder andere Schnäppchen hoffen. Wir haben wie in den zwei Jahren davor sehr gute Erfahrungen sammeln können, dass wir uns für eine andere Variante entschieden haben. Ich würde nach heutigem Stand sagen, dass wir mit der Kaderplanung durch sind. Allerdings würde ich mir noch offenhalten, auf der einen oder anderen Position reagieren zu können. Das werde ich erst beurteilen können, wenn die ersten Spiele gespielt sind. Ich will mich positionsspezifisch gar nicht festlegen, weil wir eben schon in der Kaderzusammenstellung einen großen Teil an Spielern haben, die aus irgendeinem Grund heraus über einen Transfer noch keine Chance hatten 3. Liga zu spielen. Spieler wie Poggenburg, Kraus, Flottmann und Fink, um nur einige zu nennen, haben immer bei absoluten Top-Teams in der Regionalliga gespielt. Der ganz große Sprung hat dann eben nicht funktioniert. Jetzt hat es eben mit der Fortuna funktioniert. Deshalb möchte ich diese Spieler, die elementar dafür verantwortlich sind, dass wir die 3. Liga dann geschafft haben, denen möchte ich logischerweise erst einmal auch die Chance geben hier auch zu spielen und sich zu beweisen. Ich bin 100 Prozent davon überzeugt, dass diese Spieler absolute Drittligatauglichkeit haben, dass wir auch eine ganz hervorragende Mentalität, eine sehr gute Struktur in dieser Mannschaft haben. Auch das zählt am Ende unheimlich viel. Deshalb sollen diese Spieler erst einmal die Chance bekommen sich zu beweisen.“

Zweiter Teil

Quelle: Klefisch-Exklusiv

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