Darmstadt-Trainer Schuster lobt: „Der Charakter der Mannschaft ist einwandfrei“

Der SV Darmstadt 98 hat den Klassenerhalt erst durch den Lizenzentzug des finanziell schwer angeschlagenen Lokalrivalen Kickers Offenbach schaffen können. Nun möchte man sich den Klassenerhalt auch sportlich voll verdienen. Lilien-Trainer Dirk Schuster hat sich im Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" zu verschiedenen Themen geäußert und nennt nun Gründe, die für den vorzeitigen Klassenerhalt sprechen. Er ist jedoch auch vollauf davon überzeugt, dass im nächsten Jahr durch die drei starken Aufsteiger aus Leipzig, Kiel und Elversberg die Liga sicherlich noch stärker werden wird.

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Darmstadt-Trainer Schuster lobt: „Der Charakter der Mannschaft ist einwandfrei“
Foto: SV Darmstadt 98
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„Wir haben keinem Verein etwas Schlechtes gewünscht“
Während Schuster im Urlaub in Thailand weilte, gab es die verspätete Nachricht vom Klassenerhalt des SVD. Über die gemachten Hoffnungen bezüglich des Klassenerhalts weiß der 47-Jährige nun folgendes zu berichten: „Das war die einzige Hoffnung. Wir haben keinem Verein etwas Schlechtes gewünscht, aber bei uns sind sofort viele Gerüchte durch die Kabine gegeistert: Dass Burghausen drastisch runterfahren muss, dass Offenbach Probleme hat, und dass es auch noch andere Vereine treffen könnte, die nicht gerade auf Rosen gebettet sind. Das waren aber alles vage Spekulationen. Deshalb haben wir den Abstieg erst einmal so hinnehmen und verdauen müssen.“ Und er spricht über seine Verhalten gegenüber den Spielern, die sich dieser neuen Situation auch erst einmal bewusst werden mussten: „Wir mussten die Sache erst einmal in den Kopf bekommen. Es hatte jeder mit sich selbst zu tun. In dieser Situation irgendwelche Trainings- und Ernährungspläne rauszugeben, wäre ein ganz großer Blödsinn gewesen. Wir mussten erst einmal die Schockstarre abschütteln, die uns alle befallen hatte.“

Wirtschaftlichen Wettbewerb gemeistert
Das existentiell wichtige Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers konnte nur mit einem trostlosen 1:1-Remis beendet werden, was zumindest für mehrere Tage den Abstieg in die Regionalliga Südwest zur Folge gehabt hätte. Der Ex-Profi zollt seiner Mannschaft ein mächtiges Kompliment, dass das Hessenpokalfinale gegen den Ligakonkurrenten SV Wehen-Wiesbaden in überragender Manier mit 4:0 gewonnen werden konnte. Lobend äußert sich Schuster über die Moral seiner Mannschaft: „Der Charakter der Mannschaft ist einwandfrei. Dass man sich nach einem Todesstoß wie diesem noch einmal zu so einer Leistung aufgerappelt hat, ist schon beachtlich.“ Als kleine Belohnung hat er auch das solide Wirtschaften anerkannt, was sich letztlich als wesentlicher Faktor für den Klassenerhalt dargestellt hat: „Das ist vielleicht das falsche Wort. Wir sind sportlich knapp gescheitert, haben aber unsere wirtschaftlichen Hausaufgaben gemacht. Auch das ist ein Wettbewerb, ein Ranking, dem sich die Vereine stellen müssen.“

„Es ist ein ganz schmaler Grat“
Bekanntlich haben etliche Drittligisten in der abgelaufenen Spielzeit massive finanzielle Schwierigkeiten überstehen. Sämtliche drei Absteiger Alemannia Aachen, Kickers Offenbach und auch der SV Babelsberg 03 hätten eine weitere Spielzeit in der 3. Liga finanziell nicht mehr überstehen können. Schuster hat dafür eine mögliche Erklärung: „Es ist ein ganz schmaler Grat, Qualität zu einem Preis zu verpflichten, der akzeptabel ist. Diesen Spagat hinzubekommen, ist sehr schwer. Das spüren wir gerade wieder am eigenen Leib. Qualität wird von allen Seiten gefragt – das machen sich die Spieler und ihre Berater zunutze und treiben die Preise nach oben. Dann muss man sich als Verein fragen: Geht man mit oder zieht man die Reißleine und sagt: Bis hierhin und nicht weiter. Das haben wir getan, damit fahren wir sehr gut. Mit Vereinen wie Heidenheim, Chemnitz, Saarbrücken können wir nicht mitbieten. Wenn die einen Spieler wollen, bekommen sie ihn auch.“

Schuster wäre auch in Regionalliga geblieben
Dirk Schuster fühlt sich sichtlich wohl beim ehemaligen Bundesligisten. Dies erkennt man wahrlich schnell, denn mit Stolz spricht er von seinem Team. Zugleich hat er seine Treue auch zugesichert, indem er auch bei einem möglichen Abstieg in die Viertklassigkeit weiterhin Trainer beim SV Darmstadt 98 geblieben wäre. Seine Erklärung nennt er dafür wie folgt: „Wir haben hier ein halbes Jahr lang ordentliche Arbeit abgeliefert – in allen Bereichen. Ich war davon überzeugt, dass wir auch in der Regionalliga eine konkurrenzfähige Mannschaft hätten aufstellen können. Außerdem war die Lizenzgeschichte noch nicht ausgestanden und die kleine Hoffnung auf die dritte Liga war auch bei meiner Vertragsverlängerung noch da.“

„Wenn es klar ist, dann geht es mit 100 Prozent los“
Über die Personalplanungen hat er folgendes verraten: „Wir haben die Planungen schon in der Rückrunde vorangetrieben. Wir hatten eine Liste, auf der die Spieler nach Priorität und Wertigkeit aufgeführt waren. Nach dem Abstieg war das erst einmal alles Makulatur. Dann haben wir zuerst mit Spielern gesprochen, die für beide Ligen infrage gekommen wären. Als sich später die Anzeichen verdichteten, dass es für uns reicht, haben wir die Planungen kurz hinten angestellt und gesagt: Wenn es klar ist, dann geht es mit 100 Prozent los.“

„Sie versprechen Qualität“
Mit der abgelaufenen Spielzeit muss nun abgeschlossen werden. Priorität sollte zweifelsfrei die kommende Serie genießen, wo die Südhessen hoffen, dass auch über den sportlichen Weg der Klassenerhalt gelingen mag. Schuster nennt nun Optionen, wodurch es besser werden soll: „In der letzten Saison war der Kader sehr breit aufgestellt, aber in der Spitze zu dünn. Wir wollen ihn von 27 auf 20 Spieler verkleinern und den Konkurrenzkampf schüren. Das schöne Nebenprodukt ist, dass mehr finanzielle Mittel für weniger Spieler da sind. Mit Dominik Stroh-Engel und Jerome Gondorf verstärken uns Spieler, die beide in der dritten Liga eine Partie gestalten und prägen können. Sie versprechen Qualität. Zudem haben wir das Gesicht unserer charakterlich einwandfreien Mannschaft nicht verändert. Wir definieren uns nur über den Teamgeist – und das haben die Neuzugänge auch verinnerlicht. Hinzu kommt noch Sandro Sirigu, der hinten universell einsetzbar und für mich einer der besten Außenverteidiger der Liga ist. Schnell, offensivstark. Viele haben mich zu diesem Transfer beglückwünscht.“

„Es muss sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellen“
Es ist ein offenes Geheimnis, dass der SV Darmstadt 98 nicht über den qualitativ hochwertigsten Kader der gesamten 3. Liga verfügt. Mit soliden Wirtschaften wurde jedoch ein ansprechender Kader zusammengestellt, der den Klassenerhalt bewerkstelligen könnte. Über die Frage, ob Mentalität Qualität schlagen kann, weiß Schuster folgendes zu berichten: „Es muss sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellen. Es nützt nichts, wenn im Mittelfeld ein Sechser steht, der erst glücklich ist, wenn er richtig Dreck an der Hose hat, und ein Zehner, der Blütenweiß in die Kabine geht. In Spielen, in denen es nicht läuft, fängt man dann an, sich selbst zu zerfleischen. Der Sechser muss einverstanden sein, dass der Zehner mal einen Schritt weniger macht, und der Zehner muss dem Sechser mit Respekt entgegen treten, wenn der mal einen Fehlpass spielt. Es muss jedes Rädchen ins andere greifen. Respekt, Akzeptanz, Disziplin, Pünktlichkeit – das spielt alles eine große Rolle.“

„Das ist ein gefährliches Spiel“
Schuster befindet sich schon seit 3 Jahrzehnten im Fußballzirkus. Ihm ist die massive Veränderung auch aufgefallen, wie er der "Frankfurter Rundschau" verraten hat: „Es wird natürlich mehr Geld hineingepumpt – aber das sagt eigentlich jede Generation. Die mediale Beachtung ist riesengroß und der Charakter der Spieler ein anderer geworden, weil sie auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Mit der neumodischen Technik weiß jeder sofort, wenn sich einer mal einen Fehltritt geleistet hat. Das ist ein gefährliches Spiel.“

„Wir sollten demütig sein“
Auch in der finanziell nicht unbedingt extrem lukrativen 3. Liga gibt es einige schöne moderne Stadien. Das Darmstädter Böllenfalltor-Stadion soll dabei keine Ausnahme bilden. Parallel dazu werden gewiss auch die Erwartungen steigen. Etwas mehr Realismus verlangt Schuster, wenn er sagt: „Wir sind sportlich abgestiegen und dem Teufel gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. In dieser Beziehung sollten wir demütig sein und nicht von einstelligen Tabellenplätzen reden. Wir sind mit einem ganz blauen Auge davon gekommen. Wenn man jetzt sieht, was von unten hochkommt – mit Leipzig, die den Durchmarsch anvisieren, mit Kiel, die einen bedeutend höheren Etat als wir fahren –, dann wird es für uns ein ganz schwieriges Jahr. Die Zielsetzung kann nur der vorzeitige Klassenerhalt sein. Alles andere ist weit weg.“

„Wir waren immer auf Augenhöhe“
Trotz der neuen, finanziell besser betuchten Konkurrenz ist Schuster auch selbstbewusst genug, um sagen zu können, dass Darmstadt 98 in der neuen Spielzeit ganz gewiss nicht völlig chancenlos ist: „Innerhalb der Mannschaft wissen wir, dass es keinen Gegner gibt, der uns bisher an die Wand genagelt hat. Wir waren immer auf Augenhöhe und hatten nur den Makel, dass wir viel zu wenig Tore geschossen haben.“ Damit die Professionalisierung auch bei den Lilien weiter voranschreitet, ist der Trainingsplatz völlig neu gestaltet worden, weshalb ein Umzug nach Traisa vonnöten gewesen ist, der die Laune von Dirk Schuster nicht gerade merklich verbessert hat, wie er gegenüber der "Frankfurter Rundschau" deutlich gemacht hat: „Das ist nicht das Gelbe vom Ei, aber unser Platz hier musste gemacht werden. Das ging so nicht mehr. Wir haben ihn ziemlich hingerichtet. In den ersten zwei Wochen, wo auch ein bisschen Konditionsbolzerei dabei ist, kann ich mit dem Training in Traisa leben. Die vier Kilometer lange Laufstrecke durch den Wald schadet den Spielern sicher nicht.“

Quelle: fr-online.de

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