Bielefelds Müller: „Ich bin überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen“

Christian Müller ist mittlerweile 29 Jahre Alt und kann durchaus als ewiges Talent angesehen werden, welches es nicht schaffen konnte, sich im Profifußball komplett durchsetzen zu können. Auch Verletzungsprobleme können dafür als mögliche Ursache genannt werden. Von zahlreichen und schweren zugleich ist der Mittelfeldspieler vom potentiellen Zweitliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld sehr oft betroffen gewesen. Bei seinem ersten und einzigen U21-Länderspiel gegen Polen hat er sich einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen und ist deshalb stattliche zwei Jahre ausgefallen. Nun unterhält er sich mit „fussball.de“ über verschiedene interessante Themen. Mit Ende 20 könnte er nun sogar vor dem ersten Aufstieg in seiner Profikarriere stehen.

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Bielefelds Müller: „Ich bin überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen“
Foto: Arminia Bielefeld
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„Ich fühle mich wie 23, 24“
Es ist in der Fußballbranche ein offenes Geheimnis, dass sich Glück und Pech häufig ein wenig ausgleichen. Für Müller gilt dieses Sprichwort jedoch nicht, wie er nun gegenüber „fussball.de“ deutlich macht, wenn er von seiner persönlichen Entfernung zu diesem Punkt spricht: „Sehr weit. Aber ich bin auf einem guten Weg. Zieht man meine Verletzungen ab, fühle ich mich wie 23, 24.“ Mit Arminia Bielefeld steht er nun kurz vor dem erhofften Aufstieg in die Zweitklassigkeit. Der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz beträgt fünf Spiele vor Saisonende schon sechs Zähler. Über einen möglichen Aufstieg mit dem ostwestfälischen Traditionsverein sagt er nun: „Er wäre auf jeden Fall eine Entschädigung. Der Aufstieg würde dem Verein und der Stadt sehr gut tun, und für mich wäre er ein riesiger Schub nach den ganzen Knicken und Fehlern in meiner Karriere. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Wir haben eine Mannschaft, die man nicht beschreiben kann. Wir sind jeden Tag zusammen, auch abseits des Platzes. Alle sind mit viel Spaß, aber auch dem nötigen Ernst bei der Sache. Das habe ich so noch nicht erlebt. Die Mischung ist genial, auch in Verbindung mit Trainer Stefan Krämer.“

Müller hat 18 Operationen hinter sich
Und er verrät zugleich die stattliche Anzahl seiner Verletzungen, die eine noch bessere Karriere deutlich verhindert haben: „Ich habe 18 Operationen hinter mir, ich war also nicht vom Glück verfolgt. Mich haut so schnell nichts mehr um. Aber das war nicht alles. In den U-Jahrgängen hieß es jahrelang, ich sei zu dünn oder zu klein. Dann mache ich meine ersten fünf Spiele in der Bundesliga und schieße zwei Tore - mit ähnlicher Größe und ähnlichem Gewicht. Das verdreht einem den Kopf. Ich habe mich auf einmal als etwas Besseres gefühlt, das war dumm. Heute fühle ich mich normal, das fühlt sich besser an. Ich bin eigentlich froh, dass ich so früh gefallen und auf dem Boden der Tatsachen gelandet bin!“ Selbstkritisch stellt er nun auch klar fest, dass auch eigenes Verschulden und mehr Disziplin sehr wichtig gewesen wären, um mehr von seinem großartigen Leistungspotential abrufen zu können: „Auf einen kurzen Nenner gebracht: Verletzungszeit war Partyzeit. So war ich, dazu stehe ich, da brauche ich nicht drumherum reden. Hertha-Manager Dieter Hoeneß hat mir damals die Ohren lang gezogen, das war auch nötig. 2009 ist dann meine Tochter auf die Welt gekommen. Spätestens seitdem weiß ich zu schätzen, was ich habe. Meine Fehler haben mich Zeit gekostet, das weiß ich. Aber ich blicke nicht bedauernd zurück, weil ich es nicht mehr ändern kann. Ich bin froh, dass mir Arminia noch eine Chance gegeben hat.“

Arbeitslosigkeit war hart für ihn
Bevor Müller im Sommer 2012 zu Arminia Bielefeld gewechselt ist, war er vereinslos. Diese Zeit hat ihn dankbar werden lassen, wie er nun ehrlich einräumen muss: „Ja, keinen Verein zu haben, ist noch schlimmer. Man kann keine Ansprüche stellen, muss warten und hoffen. Außerdem eilte mir mein Ruf aus Berlin voraus. Allerdings habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass es mit dem Profifußball vorbei sein könnte. Ich habe nie den Glauben verloren. Beim ersten Mal hat mir Ewald Lienen eine zweite Chance gegeben. Wir haben heute noch Kontakt. Ich bin ihm dankbar, ebenso wie ich Arminia Bielefeld dankbar bin.“

„Mach dein Ding, aber lass das Feiern sein“
Es ist gut ein Jahrzehnt her, als Christian Müller beim Hauptstadtverein Hertha BSC als großes Talent gehandelt worden ist, welches über großartige Fähigkeiten verfügt und dem eine vielversprechende Karriere offenstand. Diese Zeiten haben sich nun geändert und Müller hat aus seinen Fehlern gelernt. So würde er mit seiner heutigen immensen Lebenserfahrung dem damaligen Müller sagen: „Ich würde ihm sagen: "Mach' Dein Ding, aber lass' das Feiern weg." Letztlich war der Schien- und ein Wadenbeinbruch der Knackpunkt in meiner Karriere. Auf der anderen Seite hätte ich ohne diese Verletzung wohl heute meine Tochter nicht. Ich habe meine Freundin während der Verletzungszeit kennengelernt. Und eins ist klar: Die Kleine ist mir wichtiger als der Fußball.“

Keine konkrete Aussage über Zukunft
Spekulationen abzugeben, wo er sich in zehn Jahren sieht, fällt ihm enorm schwer, da er von vielen Unwägbarkeiten in seiner Karriere begleitet worden ist. Deshalb kann er auf diese Frage auch nur eine sehr schwammige Aussage geben: „Oh je, ich weiß noch nicht mal, wo ich mich in einem halben Jahr sehe. Nein, Quatsch, natürlich in Bielefeld. Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier. Aber in zehn Jahren? Das kann ich nicht sagen. Ich hoffe, meine Fußballerkarriere dauert noch lange. Ich möchte spielen, solange die Knochen halten.“

Quelle: fussball.de


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