Ansgar Brinkmann vergleicht Arminia und Preußen

Am kommenden Samstag sind viele Menschen im Münsterland und Ostwestfalen regelrecht elektrisiert, wenn es zum Duell zwischen dem DSC Arminia Bielefeld und dem SC Preußen Münster kommen wird. Zugleich geht es in diesem direkten Duell auch um Relegationsplatz drei, der zu zwei Aufstiegsspielen gegen den Drittletzten der 2. Liga berechtigen würde. Für reichlich Spannung und Brisanz ist also definitiv gesorgt. Es gibt viele Geschichten, die dieses Derby bringen kann. Zweifelsfrei kann ein Mann wie Ansgar Brinkmann diese sehr authentisch erzählen, denn er hat für beide Mannschaften die Fußballschuhe geschnürt.

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Ansgar Brinkmann vergleicht Arminia und Preußen
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Im Gespräch mit dem „Westfalen-Blatt“ hat sich nun der 43-Jährige zu verschiedenen interessanten Themen geäußert und hat auf Wunsch der Lokalzeitung einen Vergleich angestellt. So sieht er gewisse Unterschiede in den Stadien, wie er deutlich macht. Über die Bielefelder-Arena sagt er folgendes: „Die Alm ist fertig, im Gegensatz zum Stadion in Münster. Man kann darüber streiten, ob die neue Tribüne in Bielefeld wirklich sein musste. Sie hat für eine Menge Probleme gesorgt. Aber das Stadion ist top. Es ist eng. Da macht Fußball spielen richtig Spaß.“ Das Preußen-Stadion von Münster sieht er als unfertig: „Münster hat eine neue Tribüne gebaut, das war dringend notwendig. Die Tribüne ist wirklich bundesligareif. Nur ist das Stadion leider noch nicht fertig. Die Preußen wollen das Ding dicht machen, wie es in Bielefeld der Fall ist – und wie es normal ist.“
Besonders für die Fans ist ein möglicher Aufstieg in die 2. Bundesliga ein großer Prestigeerfolg. Die Bielefelder-Anhänger haben einen unglaublichen, sportlichen Niedergang in den letzten Jahren erleiden müssen. Dennoch sind diese absolut treu, was er deutlich macht: „Du musst leidensfähig sein. Das gilt wohl für beide Fangruppen. Arminia war lange in der 1. Liga. Dann der Abstieg in die 2., nun die 3. Liga. Wenn es allerdings um etwas geht, dann sind die Fans da. Das weiß jeder.“ Bei Preußen Münster hingegen ist die Sehnsucht noch deutlich ausgeprägter, weil die letzte Bundesligazugehörigkeit schon etliche Jahre zurückliegt. Dennoch hat er in der Fangruppierung ein Problem erkennen können: „Die Preußen Fans haben die 2. Liga das letzte Mal vor 22 Jahren gesehen. Sie sind jetzt relativ nah dran, während Osnabrück und Bielefeld die 2. Liga in den vergangenen Jahren häufiger hatten. Münster ist deshalb weiter weg, die Fans sind noch hungriger. Schade ist, dass die Preußen-Fans sich untereinander nicht ganz einig sind. Es splittert sich in zwei bis drei Gruppen, was schade ist.“
Brinkmann ist in der Fußballbranche immer noch gut vernetzt. Viele Stimmen hat er sich auch über die beiden Trainer eingeholt. Auch wenn er Arminias-Coach Stefan Krämer nicht persönlich kennt, so schätzt er diesen sehr hoch ein: „Ich kenne ihn nicht persönlich, kenne aber viele Jungs, die nah an ihm dran sind. Der Mann hat Leidenschaft. Der ist mit jeder Faser dabei. Wenn du siehst, wie die Mannschaft spielt, dann siehst du seine Handschrift. Ich mag ihn von der Art her. Der hat die Fans, Sponsoren und Medien mitgenommen. Das hat er sich ganz allein auf seine Fahnen zu schreiben. Und seine Truppe spielt um den Aufstieg. Wenn man dann die Voraussetzungen in Bielefeld sieht, ist das für einen Trainer auch nicht ganz leicht. Deshalb muss ich sagen: Respekt, Stefan Krämer macht einen Top-Job.“
Müsnters Trainer Pavel Dotchev hingegen demonstriert eindrucksvoll seine Erfahrung und seine Souveränität, mit der er den SCP zum Erfolg geführt hat. Brinkmann lobt den Deutsch-Bulgaren ausführlich: „Pavel hat sehr viel Erfahrung. Pavel ist schon aufgestiegen. Der ist dreimal chemisch gereinigt. Der ist richtig clever. Pavel bringt die Mannschaftsteile in Form und kann Spieler individuell lesen. Dem machst du nichts vor.“
Bekanntlich ist jedoch entscheidend auf dem Platz. Und so unterschiedlich die beiden Mannschaften auch sind. Beide sind im Erfolg geeint. Der „Weiße Brasilianer“ unterscheidet auch die Klasse des Teams. Bei Bielefeld sieht er die mannschaftliche Geschlossenheit als den größten Trumpf: „Fabian Klos ist beeindruckend. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Arminia jetzt um den Aufstieg spielt. Entscheidender ist aber, die Jungs sind ein Team. Die helfen sich, die spielen aggressiven Fußball und sind dabei diszipliniert. Krämer hat dafür gesorgt, dass sie intelligent kämpfen. Die holen sich keine unnötigen Gelben Karten ab. Sie machen Druck, erkämpfen sich den Ball und machen dann selbst etwas Kreatives draus. Bei Arminia ist sich keiner zu schade, auch mal umsonst zu laufen. Da weiß jeder: Irgendwann kommt der Ball, und dann hat es sich schon gelohnt.“
Preußen Münster hingegen beeindruckt ihn durch die spielerische Klasse und durch starke Einzelspieler, die den Unterschied ausmachen können, wie Brinkmann deutlich macht: „Münster ist spielerisch stark. Sie haben mit Mehmet Kara noch einen richtig guten Offensivspieler dazu bekommen. Dazu Amaury Bischoff im zentralen Mittelfeld – das sind zwei exzellente Fußballer. Wenn du dich um die nicht kümmerst, dann hast du Probleme. Das Kara kicken kann, wissen wir schon lange. Der Junge ist ein Straßenfußballer, der auf dem Platz intuitiv schon viel richtig macht. Osnabrück hat ihn am Wochenende machen lassen, hat ihn laufen lassen und ist dafür brutal bestraft worden. So hat sich Kara mit seinen drei Toren gegen den VfL zum Fußballgott gemacht. Dazu sind die Preußen hinten abgeklärt. Beide Mannschaften sind sicher auf Augenhöhe.“
Bundesligaspiele machte er für Arminia Bielefeld. Deshalb ist er auch mehr davon überzeugt, dass die Nervenstärke für die Ostwestfalen sprechen könnte, wie er im „Westfalen-Blatt“ postulieren kann: „Du musst zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen. Wer an so einem Tag seine Nerven im Griff hat, wer intelligent kämpft, der wird gewinnen. Das ist ein Derby, der Druck ist sicher fünfmal so hoch wie in einem normalen Spiel. Arminia will aber unbedingt verhindern, dass Münster alle Derbys gewinnt. Wenn man so einen Lauf hat wie der DSC, gehen die Jungs mit richtig Selbstvertrauen raus. Das muss nicht so viel sein, wie ich immer hatte. Selbstvertrauen ist mein Hobby, habe ich mal gesagt. Aber es schadet sicher nicht, mit richtig breiter Brust anzutreten.“ Münster sieht er in einer schwierigen Situation, da Bielefeld sich als deutlich stärkerer Gegner im Vergleich zum VfL Osnabrück präsentiert hat: „Die Preußen werden es nicht so einfach haben wie gegen Osnabrück. Arminia hat eine ganz andere Spielanlage, die guten Fußballern auch mal den Spaß am Spielen nehmen.“
Durch die Tatsache, dass er zu beiden Vereinen noch exzellente Kontakte pflegt, ist es für ihn außerordentlich schwierig, sich zu einem Tipp hinreißen zu lassen. Letztlich reduziert er sich auf die Annahme, dass das Spiel ein schönes sein wird, womit er auf dem salomonischem Weg verbleibt: „Es ist für mich schwierig, einen Tipp abzugeben. Zu beiden Vereinen habe ich eine gute Beziehung. Ich habe das Glück gehabt, dass meine Spielweise in beiden Stadien gut ankam – dafür bin ich den Fans dankbar. Ich freue mich persönlich auf das Spiel. Ich wünsche mir nur ein schönes Derby. Wer jetzt in den letzten Spielen das Glück erzwingt, sich quält, der wird sich irgendwann vier, fünf Punkte absetzen und über die Ziellinie kommen.“

Quelle: westfalen-blatt.de


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